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Kottenheim


Kottenheim hat mich länger begleitet als bisher jeder andere Ort und die Erlebnisse waren persönlicher und intensiver als je zuvor. So musste ich zum ersten Mal den Notarzt rufen, weil eine ältere Dame die Treppe herunterfiel. Gerade stand sie noch da und beobachtete wie ich zum Zähler ging, da hörte ich es poltern. Ein Geräusch von dem man denkt, das ist jetzt nicht, was ich glaube, dass es ist! Zum Glück hatte sie sich nichts gebrochen und dem Kopf war auch nichts passiert. Die Prellungen sahen aber schlimm aus und der aufgerissene Finger mit seiner klaffenden Wunde musste unbedingt versorgt werden. So rannte ich durchs Haus, suchte die Telefonnummer der Tochter und irgendetwas zum Verbinden, bis der Notarzt kam. Den Beiden möchte ich wirklich ein Lob aussprechen, sie stellten sich einfach super auf die Patientin ein, machten kleine Scherze und lockerten die Situation damit auf. An meinem letzten Kottenheimer Tag schaute ich nocheinmal nach ihr. Der Finger war genäht, keine Sehne angerissen und sie bemühte sich sehr, die verbundene Hand ruhig zu halten. Sie erzählte, dass die vielen Hämatome schmerzten und sie sich vorgenommen hätte, nie mehr die Bodentreppe hinaufzusteigen. Vielleicht hat sie dieser kleine Sturz, ja zukünftig vor Böserem bewart...

Gleich dahinter in meinen Emotionen kam die Aussicht auf eine Anzeige, weil ich ein Haus betreten habe und einem Mann in Unterhosen begegnete. Letzteres ist erstmal nichts Ungewöhnliches für mich, da staune ich öfter, wie egal das Männern oft ist, aber in diesem Fall bin ich wirklich vom Nachbarn hereingelegt worden. Der hatte mir nämlich, nachdem ich schon eine Karte eingeworfen hatte und aus dem Nachbarhaus kam, erklärt, er hätte mit seinem Nachbarn gesprochen, der oft sein Hörgerät nicht drin hat und ich solle zur Terassentür reinkommen, um den Strom abzulesen. Die Tochter hörte nur, eine Fremde kam unangekündigt ins Haus und war auf 180. Nachdem sie sich beschwert hatte, durfte ich sie anrufen und die Sache klären. Nachdem sie mit dem Nachbarn gesprochen hatte, rief sie mich wieder an und verzieh mir. Leider weiß ich, dass mir das beim nächsten Nachbarn wieder passieren kann. Da fällt mir der Lieblingsspruch von einem früheren Chef ein: "Lass rankommen!" Okay, mach ich.

Jetzt erstmal ein paar Bilder von den steinernen Besonderheiten die man in ganz Kottenheim findet.




Es gibt aber nicht nur öffentliche Kunst am Stein, sie findet sich auch fast an jedem Haus der Kottenheimer wieder. Es scheint dort einfach dazuzugehören und das macht den Ort so besonders.


Ob im Vorgarten, an der Hauswand oder im Garten, als Brunnen oder Blumenkübel, als Briefkasten, Statue oder Hauskennzeichnung überall sieht man Kunstwerke.



Haustüren und -eingäng haben mich noch nie so beeindruckt wie hier und tolle Türklinken gab es noch dazu.


In Kottenheim hat man im Laufe der Zeit viele Straßen umbenannt und zur Erinnerung den alten Straßennamen unter den neuen geschrieben, hier ein besonders schönes Beispiel.


Wie immer hatte ich auch hier schöne Tiererlebnisse. Vor allem die bunte Katzenmutter die eine weiße Mutter hatte und ihre Linie in den Katzenkindern nicht durchsetzen konnte, hatte es mir angetan. In Kottenheim liefen mir besonders viele Eichhörnchen und Eidechsen über den Weg. Ich sah viele dicke Weinbergschnecken, wurde an der Haustür vor einem Kampfpapagei gewarnt, der sich in einer Voliere befand und begegnete Isländer Pferden. Außerdem lernte ich Landseer Hunde kennen und war von ihnen beeindruckt www.landseer-vom-keltenhuegel.de

Ein Tiererlebnis der anderen Art erwartete mich im Haus eines Afrikafan´s. Auf meinem Weg zum Stromzähler musste ich an unzähligen ausgestopften Großwild-Tierenköpfen vorbei. Es gab sogar einen ausgestopften Leoparden! Ich wusste nicht, ob ich die Schönheit der Tiere bewundern sollte oder doch angewiedert vom Tiermord sein sollte. Gerade hatte ich einen Vogel gerettet, der in einem Treppenhaus gegen die Scheibe flog und nun dieses Haus, noch immer kann ich nicht mit diesem Hobby umgehen.




Weil ich nach einem Imker suchte, störte ich eine Rettungshundestaffel beim Üben und ein Hund rannte sogar bis zu mir. Allerdings lernte ich so die Grillhütte und den Sportplatz kennen.



Apropos Tiere, eine ältere Dame hatte eine halbhohe Plexiglasscheibe vor ihrer Haustür stehen und als ich sie fragte, wofür die gut wäre, antwortete sie mir: "Für die Hirsche." Ähm, für die Hirsche? War sie verwirrt oder meinte sie Hirschkäfer? Gab es hier noch welche? Sie klärte mich auf und sagte, sie würde zu allem Kleingetier Hirsche sagen. Vielleicht gibt es ja in Kottenheim Mäuse mit Geweih...

Waren es in Lonnig die älteren Männer die mir in Erinnerung blieben, so sind es in Kottenheim die älteren Frauen. Eine bestand darauf, dass ich bei der Hitze erstmal etwas trinken müsse, eine andere empfing mich an der Tür mit: "Wie kann ich Ihnen helfen?" Das hatte ich noch nie erlebt. Ich nutzte die Frage für einen Toilettengang und weil ich wohl etwas verschwitzt aussah, legte sie mir ein Handtuch hin und überredete mich, mich frisch zu machen. Das klingt jetzt, als würde ich stinkend durch die Gegend rennen... Nein, so schlimm war es nicht, sie war nur überfreundlich! Zum Schluss steckte sie mir auch noch eine Tafel Schokolade zu. Unglaublich, ich sage nochmals Danke! Als ich wieder auf der Straße war, versprach ich innerlich, einem anderen Menschen dafür etwas ähnlich Gutes zu tun.

Die Natur ist schon unglaublich, das Farbenspiel der Felder, die Blumen der Saison und was die Menschen daraus machen, verleitet mich schon manchmal zum Anhalten.



Es gab auch wieder Häuser an denen ich nicht einfach so vorbeigehen konnte. Ich hatte das Glück in das älteste Haus Kottenheims zu dürfen, welches gerade grundsaniert wurde. Altes mischte sich mit Neuem und es ergab eine Atmosphäre von Wärme und Behaglichkeit. Ganz selten überkommen mich diese Gefühle in einem Haus und am liebsten, würde ich dann noch ein bisschen dortbleiben. Aus alt mach neu indem man über ein kleines Haus drüber weg baut, ließ mich darüber nachdenken, im nächsten Leben Architekt zu werden. Es bereitet mir einfach immer wieder Freude diese Einzelstücke zu finden. Im pämierten Architektenhaus unten öffnete mir leider niemand, aber die Atmosphären in dieser Art Häuser, haben mich noch nie angesprochen, auch wenn ich solche Oberlichter sehr mag. Ein anderes Architektenhaus welches schiefe Fenster, passend zum natürlichen Höhenunterschied hatte, konnte ich leider nicht effektvoll auf´s Bild bannen. Es erschien, trotz älterem Baudatums, unvollendet.

Gedankenfäden verspinnen sich und ich erinnere mich an den Besuch bei Alexander Saftig, den Landrat des Landkreises Mayen-Koblenz. Ich muss gestehen, ich hätte ihn nicht erkannt, wenn er nicht seine Promi-Bilder an der Wand gehabt hätte. Ich sprach ihn nicht darauf an und ließ ihn undercover.

Aber schwupps bin ich wieder bei langen Gesprächen mit den Unprominenten. Der Lockdown brachte viele Gespräche zu Sinn und Unsinn der Maßnahmen und mir gehen einfach die Worte eines alten Mannes nicht aus dem Kopf, der sagte: "In diese Welt möchte er, auf keinen Fall noch einmal geboren werden." Ich will daran glauben, dass am Ende meines Lebens das Gute über das Böse gesiegt hat! Wenn man glaubt, die Welt ein bisschen durchschauen zu können, bleibt nur noch der Glaube an eine höhere Macht, ob die sich jetzt in den nächsten Bildern findet, wage ich zu bezweifeln, aber schön sind sie doch...






Maßnahmen zum Schutz der Menschen sehen dann auch so aus, dass Spielplätze, wie auch der Tolli-Park und Kindergärten leer sind.















Apropos Hygienemaßnahmen, da fällt mir ein Haus ein, wo die Wände voller Schwarzschimmel waren und ich meine Maske aufsetzte, weil ich das Gefühl hatte, vergiftet zu werden. Unvorstellbar unter welchen Umständen manche Menschen wohnen.

Und manchmal muss ich mich echt vorsehen, wie ich zum nächsten Zähler komme...




Da lob ich mir doch wieder die freie Natur und die schönen Streuobstwiesen oder meine ersten Süßkirschen die ich vom Baum aß und aus Kinderhand geschenkt bekam.



Ich muss noch einmal zur Kottenheimer Kunst kommen, die, wie ich erfuhr z. T vom Bildhauer Milles gemacht wurde. In mehreren Häusern konnte ich ein Bildnes ihres Hauses sehen. Ob Feuerwehr oder Karnevalisten, die Leute wissen, dass sie sich glücklich schätzen können, etwas so Einmaliges für sich beanspruchen zu können. Der dekorierte Feuermelder war übrigens wirklich eine Klingel und ich hatte ein bisschen Angst auf den Knopf zu drücken.



Es gibt noch eine Menge zu erzählen. Da waren 2 Häuser die hinter ihrer Fassade etwas versteckten. Einmal war da keine Wohnung, sondern eine Autoausstellung von den ersten japanischen Honda´s die ins Land kamen und der Besitzer bastelte auch schon am nächsten Auto herum und zum Anderen wohnten die Leute in einer ehemaligen Backstube mit Ofenambiente. Davon war ich als Bäckerstochter, die vor so einem Altdeutschen Backofen aufgewachsen ist, so beeindruckt, dass ich sofort meiner Mutter davon erzählen musste. In wieder einem anderen Bild muss ein Künstler gewohnt haben, das Haus beherbergte so viele Gemälde und Skulpturen, dass ich am liebsten davor stehen geblieben wäre. Ich sah und mir wurde erklärt wie Hilfsmittel, wie z. B. Gehhilfen und Rollstühle aufgearbeitet und gereinigt wurden, um sie wieder zu verwenden. Ich traf einen Kollegen der mir, bei einer Tasse Kaffee, ein paar Fragen zu Zählern, deren Verschiedenheiten, Austauschregelungen usw. beantworten konnte. Und ich sah leere Flaschenkästen vor den Türen der Häuser stehen, dann kam ein Getränkelieferant und tauschte sie gegen volle. Tolle Idee, wie ich finde. Alles in allem wurde mein Horizont in Kottenheim ordentlich erweitert.





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