Featured Posts

Fast ein Urlaubstag


Ich bin noch ganz beseelt von diesem herrlichen Tag. Natur, Freiheit, Tiere, Weite, Sonne und gute Gespräche, was will man mehr. Auf meinem Plan standen vor allem Häuser, die ich nicht von selbst gefunden hatte und Zweitversuche bei denen, die nicht zu Hause waren. Zu Ruitsch gehörten 3 Einzeladressen unter den "Vornamen" Siedlung und Mühle. Als ich nach der Siedlung fragte, wurde mir erklärt, ich müsste dafür an Friedhof und Sportplatz vorbeifahren. Nun sind das ja keine kleinen Anwesen und im Normalfall fallen die schon ins Auge, aber ich konnte mich nicht erinnern, daran vorbeigekommen zu sein, obwohl ich doch dachte, überall gewesen zu sein. Die Hauptstraße war also doch noch nicht zu Ende gewesen, obwohl ich die Autobahn schon sah. Ich hatte nicht sehen können, was sich im Knick noch versteckte. Dort angekommen, stand ich auf einem Pferdehof und hatte einen phantastischen Blick in das Maifeld.

Die erste Mühle war wunderbar im Tal am Wanderweg gelegen. Allerding kam mir der Bach etwas klein vor, um eine Mühle zu betreiben. Dieses Anwesen liegt im tiefsten Tal der Umgebung und ich konnte nur einmal, von der Siedlung aus, die Hausspitze sehen. Ansonsten war es verborgen. Die Besitzerin erzählte mir, von einem umgefallenen Baum, der wegzuschaffen wäre. Der letzte Sturm hatte auch hier seine Spuren hinterlassen, obwohl das Grundstück doch wie in Mutters Schoß geschützt schien.

Für die andere Mühle hätte ich das Tal auch durchwandern können, aber Zeit ist Geld und so fuhr ich wieder zurück durchs Dorf und versuchte den Weg zu finden. Ich scheiterte 2 Mal. Beim ersten Versuch endete der Weg am Wasserwerk und beim 2. auf Bergeshöhe. Ich sah zwar den Abzweig, aber ich glaubte an den asphaltierten Weg. Fehler, denn der asphaltierte ging bergauf, da war mir sofort klar, das kann nicht richtig sein. Da musste ich auch schon 2 Reiterinnen überholen und so nutzte ich die Chance zu fragen. Na klar, ich hätte den unbefestigten, mit Wasserlachen gefüllten Weg nehmen müssen. Leider gab es so schnell keine Wendemöglichkeit und so musste ich bis zur nächsten Kreuzung fahren. Ich wurde mit einer überwältigenden Aussicht und einem Rastplatz belohnt, so beschloss ich eine Pause einzulegen, um meinen Fehler zu genießen!

Es gab dort oben eine Stelle mit viel Tierfell, gerne hätte ich jemanden gefragt, was das wohl sein könnte, aber als ich später einen Jäger in seinem Jagdhäuschen traf, hatte ich meine Frage wieder vergessen. Wahrscheinlich auch, weil mich diese Hütte umhaute. Mitten im Dorf verbarg sich ein wahres Kleinod. Die Wände waren übersäht mit Jagdtrophäen. Es gab aber nicht nur Geweihe von den verschiedensten Böcken, sondern auch ausgestopfte Vögel und anderes Getier. Ich beglückwünschte den Jäger zu so einem Prachtstück und wollte wissen, wo er überall schießt, denn das hier sah nicht nur nach der Umgebung aus. Ich hatte Recht, es waren etliche Stücke aus Österreich dabei.

Nun konnte ich mich ins Tal rollen lassen. Diesmal stand die Mühle an einem größeren Bach. Ab wann sagt man eigentlich Fluss? Und ich fragte mich, ob das noch derselbe ist. Die Reiterinnen hatten mir schon erzählt, dass der Besitzer eine Husky-Zucht mit mindestens 30 Hunden hätte und als ich den Berg herunterrollte konnte ich die vielen langen Zwingeranlagen und die Hunde schon sehen.

Ich war begeistert von diesem genialen Standort, niemanden würde das Hundegebell hier stören. Ein paar Worte mit dem Züchter belehrten mich eines Besseren. Er hatte ähnliche Probleme wie der Berner-Sennenhund-Züchter und seine Verzweiflung über Ämter und Besserwisser war deutlich zu spüren. Mir zeigte es wieder das allgemeine Problem des Übermaßes an Regelungen und Bestimmungen. Überall verlieren die Leute die Lust an ihrer Arbeit, ihrem ganzen Sein, weil es zu viele Menschen gibt, die Denken alles besser zu wissen und die Macht haben, ihr Denken durchsetzen zu können. Was bleibt ist Frust, die Sinnhaftigkeit und Freude gehen verloren, Burn out droht. Ich habe gedacht, je größer die Firma, je schlimmer, aber das stimmt nicht. Auch die kleinen, ob Hobbyzüchter oder Selbständiger, allen wird die Lust genommen. Wo führt uns das noch hin? Mich dahin, dass ich meinen Job immer mehr zu schätzen weiß und das kleine Glück am Rande sehe kann.

Ich muss auch noch von einem über 80-jährigen Mann erzählen, der besonders vital war und mir voller Stolz von seinem letzten Arztbesuch erzählte. Der Mann war nicht in Deutschland geboren und so war der Arzt der Meinung, die Rasse entscheidet über Vitalität. Ich hoffe wirklich, es waren nur falsch gewählte Worte, denn dieser Arzt hat wohl die Philosophie der Heilung nicht im Blut. So unterhielt ich mich eine ganze Weile mit ihm darüber, wie Stress unser Leben verändert und krank macht und wie wir zu uns selbst finden müssen. Wir hatten beide das Gefühl, zufrieden zu sein und unser Glück sehen zu können.

Ich sah viele Bänke in und um Ruitsch und die warme Sonne lud ein darauf zu verweilen. Es tat mir auch wirklich leid, als ich eine Frau beim Mittagsschlaf störte. Es sah so aus, als müsste jemand zu Hause sein, aber es gab keine Klingel und so rief ich laut am Tor: "Hallo". Ich sah sie erst, als sie erschrocken hochfuhr. Ja, ich gebe zu, manchmal bin ich ein echter Störenfried. Aber manchmal fahren mir die Leute auch hinterher und holen mich zurück in ihr Haus, damit ich auch bei ihnen noch den Strom ablese. Und wenn ich Bescheid weiß, komme ich auch wieder, wenn der Mann nach der Nachtschicht ausgeschlafen hat. Vor allem, wenn er mir dann noch 2 Nachbarhäuser aufschließt.

Erwähnen möchte ich unbedingt auch noch Dekorationen in Ruitsch. Ich fand eine ganze Laube voller Kitschfiguren, einen äußeren Treppenaufgang und eine ganze Wohnung voller Kitsch der mich fast ein wenig gruselte. Aber alles ist wohl Geschmackssache, denn in einem Hof, Fenster, Wohnung gefiel mir plötzlich alles, sowohl die Gegenstände, als auch die Anordnung und ich sah die vielen Blumenkübel drumherum, die bald das Ganze vollenden werden. Hier hätte ich alles übernehmen können, deshalb ein klitzekleiner Ausschnitt davon.

Was mir in diesem Dorf noch gefallen hat, war der Nachwuchs. Ich traf hier endlich mal Kinder die draußen auf der Straße spielten, mehr Jugendliche die mir die Tür öffneten, mehr Mütter mit Babys und mit kleinen Kindern als gewöhnlich. Auch der Spielplatz am Dorfrand war mit viel Liebe gestaltet (auf dem Bild ist der Eingang zu sehen). Es ist doch ein großer Vorteil, in einem Dorf zu wohnen, welches nicht an einer Durchfahrtsstraße liegt, sondern ein bisschen am Ende der Welt.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber doch noch und das ist die Autobahn. Ein Anwohner erzählte mir, dass sie ihr Haus gebaut hätten, als es diese noch nicht gab und nun müssen sie den Lärm ertragen. Er wohnte da, wo ich gerade Handynetz hatte. Fluch und Segen, wie so oft ganz nah beieinander.

#PolchRuitsch #Nettemühle

Recent Posts
Search By Tags
Follow Us
  • Facebook Classic
  • Twitter Classic
  • Google Classic